Verwahrloste, Messie: Der Begriff Messie-Syndrom (von engl. mess = Unordnung, Dreck, Schwierigkeiten) bezeichnet schwerwiegende Defizite in der Fähigkeit, die eigene Wohnung ordentlich zu halten und die Alltagsaufgaben zu organisieren.
Tier-Messie, Animal Hoarding, Tierhortung: Tierhorten ist eine psychische Störung die zum unkontrollierten Halten und Sammeln von lebenden Haustieren führt.
Die Haltungsbedingungen unterschreiten alle Standards der Tierhaltung (Hygiene, Pflege, Fütterung, tierärztliche Versorgung). In späten Stadien kommt es zur völligen Verwahrlosung des Tierbestandes. Der Tierhorter ist dabei unfähig, diese Missstände zu erkennen und beseitigen. In den USA sind über 1,000 Fälle jährlich mit hunderttausenden Tieren belegt.
Hilfe! Messie sucht Hilfe beim Entrümpeln.
Guten Tag, ich suche dringend jemanden, der mir beim Entrümpeln eines Messie-Zimmers hilft.
Viel Geld kann ich leider nicht geben. Hier geht es aber darum, ein neues Leben anzufangen. Über ernstgemeinte Zuschriften freue ich mich sehr.
Es ist wirklich sehr dringend !
Danke
Standort Hamburg, 05.12.08
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Was meint ATAX zu einem solchen Inserat?
Sogenannte Messies sprechen nicht gern über ihre Lage.
Einen Hilferuf wie oben gezeigt bekommt man aber eher selten zu hören.
Klar "Messietum" ist nicht mehr ein Tabuthema, es gilt auch nicht mehr als Neuentdeckung aber es liegt noch ein langer Weg vor uns, bis Messies in unserer Gesellschaft mit anderen Augen gesehen werden...
Zur Zeit wird das Thema Verwahrlosung und Messie aber immer gerne mal im Sinne eines abschreckenden Beispiels aufgezeigt.
Messies entsprechen nicht der allgemeinen Norm. Und sie haben Probleme. Dabei wird oft nicht erwähnt, dass es sich bei vielen Messies um sehr liebenswerte und oft kreative Menschen handelt.
Aussagen und Vorurteile wie z.B.: „Hier muss nur mal ordentlich aufgeräumt werden!“ oder: „Die brauchen nur einen Container und da muss dann alles rein...“ usw. zeigen oft das Unverständnis für die Menschen auf, die nicht zum „Otto Normalverbraucher“ gehören.
Nur mit der äusserlichen Veränderung alleine ist es jedoch nicht getan.
Bei unserer Messie Coaching - Messie Beratung arbeiten wir oft und gerne mit den sogenannten Messies zusammen und finden es immer wieder schön, die Fortschritte beim Einzelnen zu sehen.
Wer sind eigentlich die "Messies"
Der Begriff Messie wurde aus dem englischen Wort mess (Chaos, Unordnung, Schwierigkeit) abgeleitet.
Mit Messie werden Menschen bezeichnet, die an dem sogenannten „Vermüllungs-Syndrom“ "Diogenes Syndrom" leiden. Diese Menschen sammeln und horten in ihrer Wohnung unbrauchbare Gegenstände. Ein Messie kann in seinem Beruf oft ein sehr ordentlicher Mensch, häufig sogar ein Perfektionist sein.
In seinen „vier Wänden" hingegen leidet er unter „Nicht-Wegwerfen-Können" und hortet deshalb Gegenstände, bis es zur „Vermüllung" der Wohnung kommt. Daher stammt auch der Begriff „Vermüllungs-Syndrom".
Messies „überbewerten" den Wert eines Gegenstandes. Sachen, die andere Menschen wegwerfen, werden von ihnen gesammelt.
Für sie ist jeder Gegenstand noch brauchbar, der in den Augen anderer unnütz, beschädigt und deshalb unbrauchbar ist.
Im Extremfall gibt es aufgrund der Anzahl der gehorteten Gegenstände nur noch kleine Gehwege in den Räumen. In der Folge kommt es zu hygienischen Problemen bis die Wohnung selbst für den Messie unbewohnbar wird.
Die Folgen sind für alle Seiten gravierend. Oft bleibt nur die Kündigung und Zwangsräumung. In vielen Fällen sind Bad, WC und Küche nicht mehr in funktionsfähigem Zustand. Die Kosten für die Instandstellung, Reinigung und Desinfektion können mehrere Tausend Franken ausmachen.
Vordergründig ist damit aber dann das „Messie-Problem" gelöst. Je nach Lebenssituation des betroffenen Messies wird ihnen von Angehörigen oder Beratungsstellen geholfen. Ist dies nicht mehr möglich, schaltet sich das Sozialamt ein.
Im günstigsten Fall nimmt der Messie Beratung oder Messie Coaching in Anspruch. Ein dafür geeigneter Berater oder Coach versucht mit dem Messie zusammen eine wirksame Strategie im Umgang mit der Schwäche zu erarbeiten.
Betroffen sind Menschen aller Altersklassen. Meist beschränkt sich ihr "Messie-Sein" auf ihren Haushalt; im Berufsleben kennt man sie oft als korrekte, zuverlässige und hilfsbereite Mitarbeitende.
Wer unter dem Messie-Syndrom, Diogenes-Syndrom oder auch Vermüllungs-Syndrom leidet, versucht dies nach Kräften zu verbergen, igelt sich in seinem Chaos ein, grübelt darüber nach, wie er es verheimlichen und beseitigen könnte, weiss aber nicht wo und wie er anfangen soll, kurz, fühlt sich schlichtweg überfordert.
All dies ist mit einem ungeheuren Kraftaufwand verbunden; für das eigentliche Aufräumen bleibt keine Energie mehr.
Was sind die Auslöser für das Messie-Syndrom, Diogenes-Syndrom, Vermüllungs-Syndrom?
Häufige Auslöser sind Überforderungssituationen bezüglich Leistungsvermögen, Wissen, Besitz und Können für innerlich schon verunsicherte Menschen.
Diese entstehen aus z.B. angeborenen oder erworbenen individuellen Schwächen oder allgemein offensichtlichen Belastungen. Kritische Ereignisse wie Hochzeit, Geburt, Trennung, Verlust von Bezugspersonen, aber auch Alter und Krankheiten, eingehende Vereinsamung kommen als Auslöser in Frage.
Wer zum Beispiel für kürzere Zeit in die Arbeitslosigkeit abgleitet und die damit verbundenen psychischen Belastungen bewältigt, kann durchaus noch in der Lage sein, die eigene Wohnung in Ordnung zu halten und einem geregelten Alltagsleben nachzugehen. Anders sieht es aus bei lang anhaltender Arbeitslosigkeit oder der sogenannten Aussteuerung. Die daraus resultierende Perspektivlosigkeit dürfte in nicht wenigen Fällen der Grund sein für eine irgend wann einsetzende psychische und physische Verwahrlosung.
Neben diesen schon als „klassische Formen von Verwahrlosung" bekannten Ausprägungen können wir in letzter Zeit immer neue Varianten des Phänomens beobachten.
Ein modernes Erscheinungsbild der Verwahrlosung unter mehrheitlich jüngeren Menschen stellt die "Second LIFE": Computer Spielsucht dar, die mangelnde Erlebnismöglichkeiten im realen Leben durch eine virtuelle Daseinsform im Internet simuliert. Gerade dieses Beispiel zeigt die verschiedenen Facetten, Ursachen und Wirkungen des „Messie-Syndroms" auf. Auf die seelische Verwahrlosung folgt oft die Verwahrlosung der Wohnung in Bezug auf Ordnung und Hygiene.
Oft merken die Betroffenen selbst als Letzte, dass sie abhängig sind — Angehörigen fällt das meist vorher auf. Ein Signal unter anderen ist es zum Beispiel, wenn die Betroffenen sozialen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.
Gefangen im Netz - Internetsucht: Droge für relativ wenig Geld:
Was ist das Fatale daran?! Man kann sich glücklich fühlen, sich einbilden, es zu etwas gebracht zu haben. Eine kleine, verwahrloste Wohnung, ein Computer und etwas Geld reichen aus: Man kann dem realen Leben entkommen. Das eigentliche Leben findet im „Cyberspace" der unbegrenzten Möglichkeiten statt. Es scheint auch Parallelen zu anderen Süchten zu geben, wie zum Beispiel Drogen- oder Alkoholsucht, denn auch bei Internetsüchtigen ist oft ein körperlicher, seelischer und sozialer Verfall zu beobachten.
Innerhalb weniger Monate tritt ein hoher Grad an sozialer Verwahrlosung ein, der nicht selten auch von einem zunehmenden Vermüllungssyndrom begleitet wird.
Die Verwahrlosung und "Vermüllung " im Alter ist häufig Ausdruck altersbedingter Krankheiten oder sozialer Isolation. An Demenz erkrankte Patienten versuchen sich symbolisch (durch das Horten von Gegenständen) ihre Welt zu erhalten: Was sie "im Kopf" immer wieder verlieren, wird materiell festgehalten oder herangeschafft.
Zudem "vergessen" die Betroffenen im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit, sich selbst und ihre Wohnung zu pflegen. Auch soziale Ängste im Alter fuhren häufig zu aufgetürmten Müllbergen -sozusagen als Schutz gegen die feindliche Welt jenseits der Wohnung.
Menschen, die im Alter kaum noch soziale Kontakte haben, leben oft nur noch in ihren Erinnerungen weiter. Ihren einzigen Lebenssinn sehen sie in der Aufbewahrung alter Kleider, Möbel, oder anderer Einrichtungsgegenstände sowie Fotos. In vielen Fällen werden auch alte Zeitschriften, Verpackungen und andere für sie wertvolle Dinge gesammelt.
Verwahrlosung geschieht schleichend!
Die Übergänge von der einen Form der Verwahrlosung in die andere können fliessend sein. Verwahrlosung ereignet sich nicht von heute auf morgen, sondern geschieht in der Regel schleichend, ohne dass dies den Betroffenen völlig bewusst sein muss.
Wer sich aus welchen Gründen auch immer mehr und mehr aus seiner Umwelt in die eigenen vier Wände zurückzieht, gerät leicht in die gesellschaftliche Isolation.
Ist dies dann mit einer zunehmenden Antriebslosigkeit verbunden, wird die langsam einsetzende Verwahrlosung von den Betrofffenen immer mehr als Normalzustand begriffen. Die verwahrloste Wohnung bildet dann einen eigenen, in sich abgeschlossenen, Lebenskosmos, in dem eigene Massstäbe gelten.
Eine auslösende Überforderungssituation wird oft durch Teufelskreise selbst wieder hergestellt und beständig erhalten, z.B. durch typischen Perfektionismus, dem man selbst nicht gerecht werden kann.
Nach dem durchaus vernünftigen Motto: etwas, was man nicht schaffen kann, erst gar nicht anzufangen - wird aus einem "Tasse abwaschen" z.B. eine "Komplette Hausputz Idee" was in der aktuell gegebenen Zeit nicht schaffbar ist - die verschmutzte Tasse bleibt einfach dreckig stehen.
Auf die Überforderung hin schotten sich Messies mit der Zeit systematisch von der Umwelt ab. Das Phänomen ist Umgebungs- bzw. Ortsgebunden, d.h. es konzentriert sich in der Regel auf das Privatleben in der eigenen Wohnung. In Beruf und Freizeit geben sich Messies eher unauffällig.
Darunter leiden Messies massiv, fühlen sich minderwertig, weil sie sich einer als normal dargestellten Aufgabe nicht gewachsen fühlen. Messies erleben sich mehr als passiv in einer auf sie einstürmenden Welt und weniger als aktiv, ihr eigenes Leben frei gestaltend.
Die selbstschützende Ablehnung weiterer als fordernd erlebter Situationen und oder Personen dürfte auch der Grund für eine manchmal auffällige Feindseligkeit bei Messies sein.
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Tierhortung, Animal Hoarding- die Sucht, Tiere zu horten:
Animal Hoarding kann mit Tiersammel-Sucht oder Tierhorten übersetzt werden. Es beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem Menschen Tiere in einer grossen Anzahl halten, sie aber nicht mehr angemessen versorgen.
Es fehlt an Futter, Wasser, Hygiene, Pflege und tierärztlicher Betreuung. Die Halter erkennen nicht, dass es den Tieren in ihrer Obhut schlecht geht.
Woran erkenne ich Tierhorter?
Es gibt Anzeichen, die dabei helfen, dieses Krankheitsbild zu erkenn. Wenn die folgenden drei Kriterien erfüllt sind, handelt sich um einen beginnenden Fall von Tiersammel-Sucht:
es werden mehr Tiere gehalten, als in Europa im Durchschnitt üblich, also mehr als etwa drei Hunde, drei bis vier Katzen, circa fünf Nager usw.
auf dem vorhandenen Gelände bzw. in den vorhandenen Räumlichkeiten leben zu viele Tiere (nach Einschätzung des Amtsveterinärs auf Grundlage von Minimalanforderungen, die wissenschaftlich ermittelt und publiziert wurden)
der/die Halter/in zeigt trotz überdurchschnittlich hoher Tierzahl und zu geringem Raumangebot keine Einsicht, dass der Tierbestand reduziert werden muss.
In Fällen von Animal Hoarding brauchen sowohl die Tiere als auch die Menschen dringend Hilfe.